Puppe häkeln: kostenlose Anleitung für eine Amigurumi-Puppe

Veröffentlicht am 29. Juli 2026

Kurzantwort: Diese Puppe entsteht aus sechs Teilen: Kopf, Körper mit angehäkelten Beinen, zwei Arme, eine Perücke und ein abnehmbares Kleid. Die Beine werden einzeln gehäkelt und in der ersten Körperrunde zusammengeführt – dadurch entfällt das Annähen. Fertige Größe rund 16 cm, Schwierigkeitsgrad mittel, Zeitaufwand 5 bis 7 Stunden.

Eine Puppe häkeln ist für viele der Moment, in dem Amigurumi richtig Spaß macht: Anders als bei Tieren entsteht hier eine Figur mit Gesicht, Frisur und Kleidung – und jede Puppe sieht am Ende ein bisschen anders aus. Diese Anleitung ist kostenlos, auf Deutsch und Teil unserer Puppen-Sammlung und der Amigurumi-Übersicht. Ich habe die Puppe selbst gehäkelt und jede Runde nachgezählt, bevor sie hier erschienen ist.

Der Aufbau ist durchdacht: Die Beine werden getrennt gearbeitet und in der ersten Körperrunde miteinander verbunden. Dadurch wächst der Körper direkt aus den Beinen heraus und du musst nichts annähen – genau die Stelle, an der bei Puppen sonst am meisten schiefgeht. Nur Kopf, Arme und Perücke werden am Ende aufgenäht.

Was brauchst du, um eine Puppe zu häkeln?

MaterialMenge / Größe
Garn in Hautfarbe (mittelstärke, z. B. Beige)ca. 30 g – Kopf, Körper, Beine, Arme
Garn in Haarfarbeca. 15 g – Perücke, Pony, Zöpfe
Garn in Kleidfarbeca. 15 g – Kleid und Haargummis
Häkelnadel4,0 mm
Sicherheitsaugen9 mm, 1 Paar
Kleiner Knopf1 Stück für den Kleidverschluss
Stickgarnfür den Mund
Füllwatte, Stopfnadel, Maschenmarkierernach Bedarf

Eine Maschenprobe brauchst du hier nicht. Mit dieser Kombination liegst du bei etwa 4 festen Maschen auf 2,5 cm und die fertige Puppe misst rund 16 cm vom Scheitel bis zu den Füßen – ohne Haare gemessen. Du kannst aber jede andere Garnstärke verwenden und die Nadel entsprechend anpassen.

Abkürzungen

  • fM – feste Masche  ·  Stb – Stäbchen
  • LM – Luftmasche  ·  KM – Kettmasche
  • Zun – Zunahme (2 Maschen in dieselbe Einstichstelle)
  • Abn – Abnahme (2 Maschen zusammen abmaschen)
  • MR – magischer Ring  ·  Zahl in Klammern = Maschenzahl der Runde

Kopf, Beine, Körper und Arme werden in Spiralrunden gearbeitet – nicht wenden, nicht mit einer Kettmasche schließen. Nur das Kleid entsteht in Reihen.

Anleitung: Puppe häkeln Schritt für Schritt

Schwierigkeit: ●●○ Mittel · Dauer: 5 bis 7 Stunden · Größe: ca. 16 cm

Kopf

Mit dem Garn in Hautfarbe:

  1. MR mit 6 fM (6)
  2. In jede Masche 2 fM (12)
  3. 1 fM, Zun – rundum wiederholen (18)
  4. 2 fM, Zun – rundum wiederholen (24)
  5. 3 fM, Zun – rundum wiederholen (30)
  6. Runden 6 bis 11: je 30 fM (30)
  7. 3 fM, Abn – rundum wiederholen (24) – jetzt mit dem Stopfen beginnen
  8. 2 fM, Abn – rundum wiederholen (18)

Augen einsetzen: Bringe die Sicherheitsaugen zwischen Runde 8 und 9 an und lass genau 3 Maschen Abstand dazwischen. Danach den Kopf fertig stopfen – später kommst du nicht mehr heran.

  1. 1 fM, Abn – rundum wiederholen (12)

Faden abschneiden und ein langes Ende zum Annähen stehen lassen.

Perücke

Die Haare entstehen nicht direkt auf dem Kopf, sondern als separate Kappe. Das klingt aufwendiger, ist aber deutlich einfacher – und die Frisur sitzt am Ende sauberer. Mit dem Garn in Haarfarbe:

Gehäkelte Perücke in Rotorange für eine Amigurumi-Puppe
Die Perücke wird separat gehäkelt und erst danach aufgenäht.
  1. MR mit 6 fM (6)
  2. In jede Masche 2 fM (12)
  3. 1 fM, Zun – rundum wiederholen (18)
  4. 2 fM, Zun – rundum wiederholen (24)
  5. 3 fM, Zun – rundum wiederholen (30)
  6. Runden 6 bis 10: je 30 fM (30). Mit einer KM in die nächste Masche schließen

Faden mit langem Ende abschneiden. Nähe die Kappe leicht schräg auf den Kopf: Die untere Kante sitzt hinten im Nacken zwischen Runde 13 und 14. Ziehe die Stiche dabei nicht zu fest an – die Perücke soll aufliegen und die Naht unsichtbar bleiben.

Pony und Zöpfe

Pony: Fädle Haargarn in die Stopfnadel und sticke rund vier Stiche zu jeder Seite der vorderen Mitte. Ein bis zwei kurze Stiche mittig deuten den Scheitel an.

Zöpfe (2 Stück): Jeder Zopf besteht aus sechs Strängen, die ohne Fadenabschneiden nacheinander entstehen:

  1. 12 LM häkeln, dann in die 2. LM ab Nadel und in jede weitere LM je 1 KM. Faden nicht abschneiden
  2. Stränge 2 bis 6 genauso arbeiten: 12 LM, KM zurück. So entsteht ein Fransenbündel

Faden mit langem Ende abschneiden. Rolle das Bündel an der verbundenen Seite auf, nähe es mit ein paar Stichen zusammen und befestige es seitlich an der Perücke.

Beine (2 Stück)

  1. MR mit 6 fM (6)
  2. In jede Masche 2 fM (12)
  3. 3 fM, Zun – rundum wiederholen (15)
  4. 15 fM (15)
  5. 3 fM, Abn – rundum wiederholen (12)
  6. 3 fM, 3x Abn, 3 fM (9) – jetzt den Fuß stopfen
  7. Runden 7 bis 10: je 9 fM (9)

Beim ersten Bein den Faden abschneiden und vernähen. Beim zweiten Bein den Faden hängen lassen – damit geht es direkt am Körper weiter. Beide Beine locker fertig stopfen.

Körper – die Beine verbinden

Das ist die einzige wirklich kniffelige Stelle der ganzen Anleitung. Nimm dir dafür zwei Minuten Ruhe – danach läuft der Rest von allein.

Vorbereitung: Lege die beiden Beine nebeneinander, beide Füße zeigen nach vorn. Setze einen Maschenmarkierer an die Stelle, an der sich die Beine in der Mitte berühren – er hält die beiden gegenüberliegenden Maschen zusammen. Setze einen zweiten Markierer in die zuletzt gehäkelte Masche des zweiten Beins. Dort endet die erste Körperrunde.

Runde 1: Häkle 1 fM in die nächste Masche des Beins, an dem der Faden hängt, und weiter feste Maschen bis zum Markierer in der Mitte. Dort 1 fM in die markierte Masche, dann 1 fM in die passende Masche des anderen Beins. Jetzt rundum feste Maschen um das zweite Bein (9 Maschen). Du bist wieder in der Mitte angekommen. Zum Schluss die restlichen offenen Maschen des ersten Beins abhäkeln und in der markierten Masche enden. (18)

Zähl an dieser Stelle unbedingt nach. Es müssen genau 18 Maschen sein. Hast du mehr oder weniger, schau dir die beiden Übergangsstellen an – dort wurde meist eine Masche übersprungen oder doppelt gearbeitet.

  1. 2 fM, Zun – rundum wiederholen (24)
  2. Runden 3 bis 5: je 24 fM (24)
  3. 2 fM, Abn – rundum wiederholen (18)
  4. Runden 7 und 8: je 18 fM (18) – jetzt den Körper stopfen
  5. 1 fM, Abn – rundum wiederholen (12)
  6. 12 fM (12)

Faden mit langem Ende abschneiden – damit nähst du später den Kopf an. Körper fertig stopfen.

Arme (2 Stück)

  1. MR mit 6 fM (6)
  2. In jede Masche 2 fM (12)
  3. Runden 3 bis 5: je 12 fM (12)
  4. 1 fM, Abn – rundum wiederholen (8) – die Hand leicht stopfen
  5. Runden 7 bis 9: je 8 fM (8)

Den oberen Teil des Arms bewusst ungestopft lassen. So liegen die Arme später flach am Körper an, statt abzustehen.

Kleid

Das Kleid entsteht in Reihen und wird hinten mit einem Knopf geschlossen – es lässt sich also an- und ausziehen. Mit dem Garn in Kleidfarbe 21 LM anschlagen.

Gehäkeltes türkises Puppenkleid mit Muschelrand
Das fertige Kleid mit Muschelrand am Saum.
  1. 1 fM in die 2. LM ab Nadel, 1 fM in die nächste LM, 3 fM in die nächste LM. Dann 3x wiederholen: 4 fM, 3 fM in die nächste LM. Zum Schluss 2 fM, 1 LM, wenden (28)
  2. 4 fM, 3 LM, 6 Maschen überspringen, 8 fM, 3 LM, 6 Maschen überspringen, 4 fM. 1 LM, wenden (22 inkl. Luftmaschen) – hier entstehen die Armlöcher
  3. 4 fM, 3 fM in die Luftmaschenbögen, 8 fM, 3 fM in die Luftmaschenbögen, 4 fM. Wenden (22)
  4. 3 LM (zählen als 1 Stb), 1 Stb in dieselbe Masche. Dann rundum: 1 Stb, 2 Stb in die nächste (33)
  5. 3 LM, rundum Stäbchen. Am Ende mit KM in die oberste Anfangs-Luftmasche schließen, nicht wenden
  6. 1 LM, 1 fM in dieselbe Masche, rundum feste Maschen. Mit KM schließen (33)
  7. Rundum wiederholen: 3 LM, 1 Masche überspringen, 1 KM in die nächste. Mit KM schließen, Faden vernähen – das ergibt den Muschelrand am Saum

Zusammenbau und Gesicht

  • Kopf annähen: Mit dem langen Faden des Körpers den Kopf aufnähen. Vorher mit Stecknadeln fixieren und aus etwas Abstand prüfen, ob er gerade sitzt.
  • Arme annähen: Seitlich knapp unterhalb des Halses, beide auf gleicher Höhe.
  • Nase: Mit dem Hautgarn 3 bis 4 Stiche mittig zwischen den Augen sticken, etwa auf Höhe von Runde 8 bis 9 und nach unten arbeitend.
  • Mund: Mit Stickgarn etwa 1,5 bis 2 Maschen unterhalb der Nase eine waagerechte Linie sticken. Dann je einen Stich an beiden Enden schräg nach oben – fertig ist das Lächeln.
  • Kleid anziehen: Die Öffnung gehört nach hinten. Als Knopfloch dient eine vorhandene Lücke am Reihenende nahe dem Halsausschnitt – probiere vorher, ob dein Knopf hindurchpasst. Den Knopf dann gegenüber annähen.
  • Haargummis: Je 30 LM in Kleidfarbe häkeln, Faden abschneiden, beide Enden festziehen und knapp abschneiden. Um die Zöpfe binden.

Kleine und große Puppe häkeln

Die Maschenfolge bleibt identisch – du änderst nur Garn und Nadel:

  • Kleine Puppe (ca. 10 cm): dünnes Baumwollgarn mit 2,5-mm-Nadel. Sicherheitsaugen auf 6 mm reduzieren. Die Zöpfe mit 8 statt 12 Luftmaschen arbeiten, sonst wirken sie zu lang.
  • Große Puppe häkeln (ab 30 cm): dickes Chenille- oder Bobbelgarn mit 8-mm-Nadel. Rechne mit dem Drei- bis Vierfachen an Garn. Bei dieser Größe lohnt es sich, den Körper fester zu stopfen – sonst kippt die Puppe nach vorn.

Häufige Fehler beim Puppe häkeln

  • Falsche Maschenzahl nach der Beinverbindung. Der häufigste Fehler überhaupt. Nach Runde 1 des Körpers müssen es exakt 18 Maschen sein – zähle nach, bevor du weiterhäkelst.
  • Augen zu weit auseinander. Drei Maschen Abstand wirken wenig, sind aber richtig. Weiter auseinander wirkt das Gesicht sofort erwachsen statt kindlich.
  • Arme zu fest gestopft. Nur die Hände werden leicht gefüllt. Vollgestopfte Arme stehen ab und lassen sich nicht ankleiden.
  • Perücke zu fest angenäht. Wenn du die Stiche stramm ziehst, wirft die Kappe Falten. Locker nähen – sie soll aufliegen.
  • Kopf schief angenäht. Erst mit Stecknadeln fixieren, aus einem Meter Abstand prüfen, dann nähen.
  • Füße vergessen zu stopfen. Nach Runde 6 ist der Fuß dran – später kommst du nicht mehr sauber hinein.

Häufige Fragen zum Puppe häkeln

Wie lange dauert es, eine Puppe zu häkeln?

Rechne mit 5 bis 7 Stunden für die komplette Puppe samt Kleid. Kopf, Körper und Beine gehen zügig; Perücke, Zöpfe und Gesicht brauchen am meisten Geduld. Du kannst problemlos an mehreren Abenden arbeiten – notiere dir nur, in welcher Runde du aufgehört hast.

Ist diese Puppe für Anfänger geeignet?

Mit Einschränkung. Feste Maschen, Zu- und Abnahmen reichen aus, aber das Verbinden der Beine in der ersten Körperrunde verlangt Konzentration. Wenn du noch nie ein Amigurumi gehäkelt hast, starte lieber mit dem Oktopus oder der Erdbeere.

Wie viel Garn brauche ich für eine Puppe?

Etwa 30 g in Hautfarbe, dazu je rund 15 g für Haare und Kleid. Mit dickerem Garn steigt der Verbrauch deutlich – bei einer großen Puppe ab 30 cm auf das Drei- bis Vierfache.

Kann ich die Puppe ohne Sicherheitsaugen häkeln?

Ja, und für Kinder unter drei Jahren ist das Pflicht. Sticke die Augen stattdessen mit dunklem Garn auf. Auch der Knopf am Kleid ist dann tabu – nähe das Kleid in dem Fall hinten einfach zu.

Wie bekomme ich die Haare ordentlich hin?

Der Trick ist die separate Perücke: Statt einzelne Fäden in den Kopf zu knüpfen, häkelst du eine komplette Kappe und nähst sie auf. Das Ergebnis sitzt gleichmäßiger und geht schneller als jede Knüpftechnik.

Lässt sich das Kleid ausziehen?

Ja. Es wird hinten mit einem kleinen Knopf geschlossen. Wenn du möchtest, dass es fest sitzt – etwa bei einem Spielzeug für kleine Kinder – nähst du es stattdessen hinten zu und lässt den Knopf weg.

Was häkelst du als Nächstes?

Über Houssam Kherra

Houssam K. häkelt, seit er sechs Jahre alt ist, und hat es von seiner Großmutter gelernt. Auf Häkeln.net veröffentlicht er kostenlose Amigurumi-Anleitungen auf Deutsch – jede Figur häkelt und fotografiert er vorher selbst.

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